Tschüss, Pille! Von der NFP über Barrieremethoden bis zu pflanzlichen Verhütungsmethoden

Von Karen Cop

55 Prozent nutzen zur Empfängnisverhütung die Pille, also einen Hormon-Cocktail mit Östrogen und Gestagen für Frauen. An einer Männer-Pille wird schon lange gearbeitet, aber wollen wir wirklich, dass es Männern so geht wie per Pille verhütenden Frauen?

Sie müssen mit Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Thrombosen, Störungen der Leberfunktion und erhöhtem Krebsrisiko rechnen. Selbst Pillen-Erfinder Carl Djerassi ließ sich lieber sterilisieren. Schließlich gibt es viele natürliche Alternativen zur Empfängnisverhütung an den fruchtbaren Tagen.

 

„Natürliche Verhütung fördert die Gesundheit und die Fantasie beim Sex.“

Verhüte lieber natürlich, wer kann! Zumal die Nebenwirkungen der natürlichen Familienplanung (NFP) sehr positiv sein können, zum Beispiel die Freude, sich selbst und den Körper des Partners besser kennenzulernen und achtsam mit ihm umzugehen. Außerdem fördert eine natürliche Verhütung nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Fantasie. Wer keine Lust hat, täglich Tagebuch zu führen, um die fruchtbaren Tage des Monats herauszufinden, nutzt Verhütungs-Computer oder Apps. Ungenannt bleibt hier nur die Kalendermethode (Knaus-Ogino), bei der aus dem kürzesten und längsten Zyklus die mögliche Spanne der fruchtbaren Tage berechnet wird. Den Eisprung mit dieser Methode auszuschließen bringt zu wenig Sicherheit. Ihr Pearl-Index, das Maß für die Zuverlässigkeit von Methoden zur Verhütung einer Schwangerschaft, liegt bei 15 bis 40, das heißt: Von 100 Frauen werden so viele schwanger.

Die Temperaturmethode

„Wie heiß bist du heute?“ Das ist die Frage, die die Temperaturmethode jeden Morgen beim Aufwachen stellt, denn dann heißt es erstmal, in Mund, Vagina oder After die Temperatur zu messen. Die Basaltemperatur unterliegt im Verlauf des Menstruationszyklusses typischen Schwankungen, die durch den Anstieg oder Abfall des weiblichen Sexualhormons Progesteron ausgelöst werden. Nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur um mindestens zwei Zehntel Grad Celsius an. Sie bleibt bis zum Ende des Zyklus so hoch, aber die fruchtbare Phase ist am Tag danach vorbei. Eizellen überleben den Eisprung höchstens 24 Stunden, wenn sie nicht befruchtet werden, Spermien dagegen drei bis fünf Tage.

Gradmesser Zervixschleim

Bei der „Billings-Methode“ wird der Zervixschleim am Muttermund beobachtet. Dafür nimmt man etwas Schleim auf zwei Finger und versucht zwischen ihnen Fäden zu spinnen. Es klappt? Und er sieht außerdem klarer aus als kurz nach der Menstruation. Dann ist das ein Hinweis auf die fruchtbare Zeit. Während der unfruchtbaren Tage bildet der Schleim am Muttermund einen Pfropfen, wirkt milchig-trüb und seine Beschaffenheit ist dickflüssig zäh bis klumpig.

Die symptothermale Methode

Die „symptothermale Methode“ nennt sich ein Mix aus Temperaturmessung und Billings-Methode. Auch das Betasten des Muttermunds kann mit ins Spiel kommen, denn während der sich nach der Monatsblutung fest und geschlossen anfühlt, wird er an den fruchtbaren Tagen weich und öffnet sich etwas. Die Methode gilt als ziemlich sicher mit einem Pearl-Index von 0,4 bis 2,6.

Kondome, jetzt auch vegan

Wenn ein Paar auch während der fruchtbaren Tage ohne Babyalarm miteinander schlafen möchte, braucht es ein zusätzliches Verhütungsmittel, beispielsweise ein Kondom. Zumal das auch die beste und beliebteste Methode gegen unerwünschte Krankheiten bleibt. Noch eine gute Nachricht: Es gibt immer mehr Unternehmen, die bei der Herstellung des wohl ältesten Verhütungsmittels mit Naturkautschuk und ohne Tierprodukte wie Kasein auskommen.

Kondome für Frauen

Zyklen hin oder her – das Frauenkondom ist das einzige Verhütungsmittel, mit dem Frauen nicht nur eine Schwangerschaft natürlich verhüten, sondern selbst vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können. Es ähnelt dem Präservativ für Männer, ist jedoch etwas weiter und hat oben wie unten Gummiringe, die ein Verrutschen verhindern sollen. Die Anwendung muss vor dem Ernstfall erprobt werden, damit das Kondom die optimale Sicherheit bietet.

Diaphragma und Portiokappen

Ein Diaphragma ist eine beim Frauenarzt speziell angepasste Haube aus Silikon, die vor dem Geschlechtsverkehr über den Muttermund gelegt wird. Portiokappen haben einen etwas kleineren Durchmesser, sind dafür höher und werden über den Muttermund gestülpt. Auch diese Verhütungsmethode braucht etwas Übung!

Spirale oder Kette?

Hauptsache Kupfer! Es wird um Kunststoff gewickelt in die Gebärmutter geführt, und nach und nach abgegeben. Der Körper wehrt sich mit festem Schleim an Muttermund und Gebärmutterschleimhaut gegen den Fremdkörper. Dabei wird ein einnisten der Eizelle verhindert. Außerdem schränkt das Schwermetall die Beweglichkeit der Spermien ein. Eine Spirale wird während der Tage eingelegt und kann dort rund fünf Jahre bleiben. Die neueste Form einer Spirale ist der Kupfer-Perlenball: ein Draht, auf dem Kupfer wie Perlen aufgereiht sind. Ob er Vorteile gegenüber der herkömmlichen Spirale bringt, wird noch getestet.

Rein pflanzliche Verhütung

Alle Naturvölker haben mit natürlichen Mitteln versucht, den Kindersegen zu bremsen. In Akazienknospen ist zum Beispiel Gummi arabicum enthalten, das sich in der Scheide in Milchsäure umwandelt. Aus zerstoßenen Granatapfelkernen und Wachs wurden Scheidenzäpfchen hergestellt, weil die Phytoöstrogene darin den Eisprung verhindern sollten. Der indische Niembaum gilt als Wunderbaum gegen viele Beschwerden und sein Öl als Spermizid, denn es hemmt die Reife der Spermien.

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